Durch den Wald geht eine Frau mit einer Feder. Sie sammelt, was andere im Vorbeigehen übersehen: Steine, die der Regen glattgeschliffen hat, Gedanken, die wie Distelsamen vorüberfliegen, Elfenhaar, das im Herbstlicht zwischen den Zweigen schimmert, und die leisen Wunder, die der Alltag in seinen Taschen versteckt. Wer sie ruft, sagt Nicole. Und wo sie geht, gehen zwei Nasen mit.
Basti, der Hüpfende
Die eine Nase gehört Basti. Sein Wackelpo ist ein kleiner Freudentanz auf vier Pfoten, und die Freude wohnt in ihm bis in jedes Haar. Flüstert man seinen Namen, antwortet er mit einem Wedeln: klopf, klopf, klopf. Sahne erschnuppert er durch drei Türen, und sobald Plätzchenduft durchs Haus zieht, ist er als Erster in der Küche, ein kleiner Wächter des Backofens. Er ist ein Herz, das alles mitträgt: Singt die Frau, tanzt er, weint sie, wird er zur warmen Decke an ihrer Seite. Draußen, bei der Arbeit in der Wildnis, schießt er wie ein Pfeil aus Fell als Erster über die Wiese, und wehe, wenn nicht. Abends schnauft und knatschelt er auf dem Sofa, zufrieden wie ein Bär in seiner Höhle. In ihm glüht so viel Herzenswärme, dass er jedem entgegenlächelt, und seine Augen sagen dabei: Guck mal, wie schön die Welt ist.
Kira, die Bernsteinäugige
Die zweite Nase ist Kira. Ihre Augen sind Bernstein, in dem das Licht vieler Sommer eingeschlossen ist. In ihr wohnt das Wilde, eine feine Schärfe, die sofort spürt, wenn ein falsches Herz am Tisch sitzt. Ihren Fährten folgt sie leise und bedacht, still wie fallendes Laub, doch hüpfen kann sie wie ein Kobold im Mondlicht. Und in ihr wohnt auch eine diebische Elster: Sie stibitzt genau die Dinge, die nach der Frau duften, und hütet sie wie einen Schatz, damit ein Stück von ihr bleibt, wenn die Tür sich schließt. Nun geht Kira vorne dran. Sie dreht sich nach der Frau um, und manchmal, ganz Wildnis, auch nicht.
Zwei Nasen, eine Feder. Hier wird aufgeschrieben, was der Tag uns zuflüstert. Tritt ein, leise, und bleib, solange du magst.